100 Jahre Räterevolution

ROTE RÄTE

Die bayrische Revolution aus der Sicht von Augenzeugen

D 2019, 62 Min., Dokumentarfilm, DCP, FSK: ab 6, Konzept+Regie: KLAUS STANJEK Buch: Klaus Stanjek, Margot Fuchs, Udo Siefken, Silvia Gassmann, Wilhelm Ludwig, Franziska Schmidt,  Helfried Spitra Musik: Konstantin Wecker

Film mit Einführung und Diskussion.

Eintritt frei.  

DO 17.10. FR 18.10. SA 19.10. SO 20.10. MO 21.10. DI 22.10. MI 23.10.
-- 19:00 -- -- -- -- --

Die Ausgangslage ist das Ende des ersten Weltkrieges. Tausende von Soldaten kehren zurück, haben nichts zu tun, sind ihren Lebenssinn los, es herrscht Nahrungsmangel (spiegelt sich in vielen Todesanzeigen: „an Unterernährung gestorben“). Das treibt die Leute in Massen auf die Straße und die Redner auf die Tribünen.

Der geistige Input kommt aus Russland, von Lenin. Die erste herausragende Figur ist Kurt Eisner. Nach seiner Ermordung – auch die wird von Augenzeugen geschildert – kommt eine Intellektuellenregierung, die in den wenigen Tagen ihres Existierens revolutionäre Gesellschaftsveränderungen durchsetzt: 8-Stunden-Tag (bisher 12) für Arbeiter, mehr Rechte für die Frauen, Forderung zur Mitbestimmung der Studenten; was die 68-er wieder aufnehmen.

Es folgt eine kommunistisch-sozialistische Regierung, die die Rechten auf den Plan ruft, die Weißen Garden, die die Roten Garden – ab hier wird’s blutig – mit Einkesselung und Angriff auf München überwältigen. Hierzu gibt es Augenzeugen(Mittäter)Schilderungen, die manchem Fernsehredakteur den Angstschweiß auf die Stirn getrieben haben dürften.

Der Film nutzt sechs Zeitzeugen-Interviews aus den 1970er-Jahren, die mit Archivaufnahmen kombiniert werden. Darin äußern sich ein Schreiner, ein Kaufmann, ein Berufssoldat, ein Student, ein Buchbinder und der mit Gustav Landauer und Kurt Eisner befreundete Schriftsteller Augustin Souchy über ihre Beobachtungen und Motive.

„Rote Räte“ ist ein wichtiger Film, weil er eine vorherrschende Geschichtsschreibung korrigiert, die in Bayern seit 100 Jahren kultiviert wird. (filmjournalisten, filmdienst)